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Beziehungen zu Deutschland

Artikel

Stand: März 2018

Politische Beziehungen

Durch Vietnam-Besuche des damaligen Bundesaußenministers Steinmeier, der Bundestags-Vizepräsidentin Edelgard Bulmahn, zahlreicher Bundestagsabgeordneter und Länderminister hatten die bilateralen Beziehungen im Jahr 2016Impulse erhalten. Die traditionell engen und vertrauensvollen deutsch-vietnamesischen Beziehungen haben jedoch durch die Entführung eines vietnamesischen Geschäftsmannes aus Berlin durch vietnamesische Behörden im Juli 2017 einen spürbaren Rückschlag erlitten. Die Bundesregierung hat gegenüber der vietnamesischen Regierung deutlich gemacht, welche Maßnahmen zur Wiederherstellung des Vertrauens notwendig sind.

Grundlage der „Strategischen Partnerschaft“, die von Deutschland nach dem Entführungsfall bis auf weiteres ausgesetzt wurde, ist die so genannte "Hanoier Erklärung". Sie ist auch Bezugspunkt zahlreicher gemeinsamer Projekte und Initiativen. Die Erklärung wurde im Oktober 2011 von Bundeskanzlerin Merkel und dem damaligen Premierminister Dung unterzeichnet und hat die Stärkung der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und entwicklungspolitischen Beziehungen zum Ziel.

Gemeinsame Erklärung von Hanoi: Vietnam und Deutschland - Strategische Partner der Zukunft PDF / 85 KB

Im Rahmen eines strategischen Aktionsplans wurde bis zur Suspendierung der Strategischen Partnerschaft die Kooperation zwischen beiden Ländern auf allen Feldern fortentwickelt und jährlich um neue Projekte angereichert. Deutschland unterstützt daneben die Reform der vietnamesischen Justiz und zahlreiche Gesetzesvorhaben im Rahmen des deutsch-vietnamesischen Rechtsstaatsdialogs. Inhalte sind u.a. die Beratung bei Gesetzgebungsvorhaben in Vietnam, Weiterentwicklung des Rechtssystems, Weiterbildung von Richtern, Staatsanwälten, Rechtsanwälten und Notaren, Beratung bei der Umsetzung internationaler Konventionen und Regelwerke, Reform des Zivilrechts des Zivilprozessrechts, des Arbeits-, Gewerkschafts- und Sozialrechts, Weiterentwicklung des Straf- und Strafprozessrechts, des Handelsrechts, der Verfassungsgerichtsbarkeit, Förderung der Menschenrechte, Rechtshilfe und weitere Themen. (Weitere Informationen bei BMJV: "Der Deutsch-Vietnamesiche Rechtsstaatsdialog" )

Ein weiteres wichtiges Vorhaben der bilateralen Zusammenarbeit ist die Errichtung eines "Deutschen Hauses" in Ho-Chi-Minh-Stadt. Dort haben die in Ho-Chi-Minh-Stadt vertretenen deutschen Institutionen und interessierte deutsche Unternehmer ihren gemeinsamen Sitz. Der Bau wurde 2017 vollendet.

Entwicklungszusammenarbeit

Ein weiterer wichtiger Baustein der Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam ist die Entwicklungszusammenarbeit. Bei den Regierungsverhandlungen 2015 hat Deutschland Vietnam Mittel in Höhe von rund 220 Mio. Euro über zwei Jahre zugesagt. Die Zusammenarbeit in den Schwerpunkten Berufliche Bildung, Energie und Umwelt ist hierbei stets an der ambitionierten vietnamesischen „Green Growth Strategy“ ausgerichtet. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass Vietnam mit gut ausgebildeten Fachkräften und einer effizienten und nachhaltigen Energieversorgung einen Wachstumspfad verfolgt, der die natürlichen Ressourcen schont, die Biodiversität erhält und im Einklang mit den 2015 eingegangenen internationalen Verpflichtungen und Zielen aus der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und dem Pariser Klimagipfel sowie mit dem Freihandelsabkommen mit der EU steht.

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland hat 2017 seine Position als größter EU-Handelspartner Vietnams verteidigt; das erzielte Handelsvolumen lag bei 13,9 Mrd. USD (11,4 Mrd. EUR). Die Importe aus Vietnam stiegen auf 10,75 Mrd. USD (8,8 Mrd. EUR), die deutschen Exporte nach Vietnam erreichten 3,2 Mrd. USD (2,6 Mrd. EUR). Weitere Impulse erwarten deutsche und vietnamesische Unternehmen durch das 2015 abgeschlossene, aber noch nicht in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam. Bis 2020 wird eine Ausweitung des deutsch-vietnamesischen Handelsvolumens auf 20 Mrd. USD angestrebt.

Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind Elektronikartikel, Schuhe, Textilien, landwirtschaftliche Erzeugnisse (z.B. Kaffee und Pfeffer), Meeresfrüchte und Möbel. Wichtigste Einfuhrprodukte aus Deutschland sind Maschinen, Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände sowie Produkte der chemischen Industrie. Vietnam hat das Ziel, sich bis 2020 zum Industrieland zu entwickeln. Der damit verbundene Bedarf an höherwertigen Anlagen sollte sich in einer steigenden Nachfrage nach Maschinen „Made in Germany“ äußern.

Die Delegation der Deutschen Wirtschaft mit Büros in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt ist Teil des AHK-Netzwerks. Die Delegation befindet sich in Ho-Chi-Minh-Stadt in einer Bürogemeinschaft mit der Deutschen Kaufmannschaft (German Business Association), in der sich über 200 deutsche Unternehmen zusammengeschlossen haben. Derzeit werden Verhandlungen zur Gründung einer deutsch-vietnamesischen Auslandshandelskammer geführt.

Deutsche Unternehmen haben kumuliert in knapp 300 Vorhaben 1,6 Mrd. USD investiert, davon im Jahr 2017 in 33 neue Vorhaben in Höhe von 414 Mio. USD.

Wichtige Investitionen deutscher Unternehmen werden jedoch über Auslandstöchter gesteuert und fallen statistisch nicht Deutschland zu. Seit 2008 ist "Germany Trade and Invest" (GTAI) mit einer Korrespondentin in Hanoi vertreten.

Kulturbeziehungen

Seit Abschluss des Kulturabkommens 1990 entwickeln sich die bilateralen Kulturbeziehungen positiv. Die rund 100.000 Vietnamesen, die in Deutschland gearbeitet, studiert oder sich dort fortgebildet haben, bilden eine - in Asien einzigartige - Brücke zwischen Deutschland und Vietnam, die das Interesse an Deutschland fördert.

Der wissenschaftliche Austausch profitiert von der großen Zahl in Deutschland ausgebildeter Akademiker. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördern eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Kontakte und Kooperationsvereinbarungen. Vietnam ist Schwerpunktland der Bemühungen zur Internationalisierung des Hochschulstandorts Deutschland. Im Wintersemester 2014/2015 studierten rund 5.500 vietnamesische Studenten an deutschen Universitäten. Im Dezember 1999 hat das Vietnamesisch-Deutsche Zentrum (VDZ) an der Technischen Universität Hanoi seine Arbeit aufgenommen, das auch die seit 2003 bestehende Außenstelle des DAAD in Hanoi beherbergt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) pflegt intensive Kontakte mit dem vietnamesischen Forschungsministerium. Im Bereich der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit herrscht ein dichter Austausch auf fachlicher und politischer Ebene.

Mehrjährige Verhandlungen über die Errichtung von Kulturinstituten wurden im Januar 1997 mit der Unterzeichnung eines Abkommens abgeschlossen. Im Dezember 1997 wurde das Goethe-Institut (GI) Hanoi eröffnet, das sich zu einem viel besuchten Mittelpunkt deutscher Kultur und Sprache sowie darüber hinaus zu einem beliebten Treffpunkt Kulturschaffender und -interessierter entwickelt hat. Seit Ende 2003 betreibt das Goethe-Institut gemeinsam mit dem DAAD auch in Ho-Chi-Minh Stadt ein "Deutsches Zentrum", das Sprachprogramme und akademische Beratung anbietet und welches in 2008 zu einer GI-Außenstelle mit eigener kultureller Programmarbeit ausgebaut wurde. Für viele zukünftige Studenten sind die Sprachkurse des Goethe-Instituts Sprungbrett für den angestrebten Studienaufenthalt in Deutschland.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnete als erste politische Stiftung im November 1990 ein Büro in Hanoi, 1993 folgte die Konrad Adenauer-Stiftung. Seit Februar 2009 ist auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie seit 2011 die Hanns-Seidel-Stiftung in Hanoi mit eigenen Büros vertreten. Im September 2012 eröffnete auch die Friedrich-Naumann-Stiftung eine Repräsentanz in Hanoi.

Im September 2008 wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt die Vietnamesisch-Deutsche Universität (VDU) eröffnet, deren Gründungsdokumente im Februar 2008 in Hanoi in Anwesenheit des Bundesaußenministers unterzeichnet worden waren.

Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt Ende 2007 ins Leben gerufenen Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ ist auch in Vietnam der Deutschunterricht an vietnamesischen Schulen erweitert worden. Im Juli 2013 wurde mit der Anerkennung von Deutsch als Fremdsprache für den Unterricht in Vietnam ein Meilenstein bei der Förderung der deutschen Sprache erreicht.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.