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Auslandsknigge Vietnam: Was man beachten sollte...

Reisfeld Mu Cang Chai, Yen Bai Provinz

Reisfeld Mu Cang Chai, Yen Bai Provinz, © Le Hong Hoa

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Der gerade Weg ist in Vietnam nicht der kürzeste und häufig sogar der ungeeignetste Weg zum Erfolg. Es ist nicht üblich, sofort sein wirkliches Anliegen vorzutragen (auch nicht in verschlüsselter Form).

Vietnamesische Namen

Namen bestehen in Vietnam aus 3 Teilen: Einem Familiennamen (am Anfang stehend), einem Mittelnamen und einem Vornamen (bei vietnamesischen Namen am Ende stehend). Der Gesprächspartner wird mit ,,Herr/Frau (Vorname)'' angesprochen, so dass – in Vietnam wie in Deutschland – die Regel gilt, dass für die Anrede der letzte auf der Visitenkarte erscheinende Name verwendet wird.

Beispiel: Ein Herr Nguyen (Name) Tan (Mittelname) Dung (Vorname) würde mit ,,Herr Dung'' angesprochen.

Was man ansonsten beachten sollte...

Der gerade Weg ist in Vietnam nicht der kürzeste und häufig sogar der ungeeignetste Weg zum Erfolg. Es ist nicht üblich, sofort sein wirkliches Anliegen vorzutragen (auch nicht in verschlüsselter Form).

Gespräche werden in einem ruhigen Ton geführt. Gerade die wichtigsten Fragen werden sorgsam verpackt, ohne jede Eindringlichkeit angesprochen, ganz so, als handle es sich um eine Nebensache. Aufmerksames Zuhören ist deshalb über den gesamten Zeitraum des Gesprächs erforderlich, um nicht das Wichtigste zu überhören.

Die Körpersprache sollte zurückhaltend sein. Heftiges Gestikulieren ist ebenso zu vermeiden wie eine zu lebhafte Mimik. Eine ruhige, gemessene Art, sich zu bewegen wird den Vietnamesen am ehesten Vertrauen einflößen. Allein das Lächeln ist als „Universalwaffe“ einsetzbar und wird auch von den Vietnamesen entsprechend genutzt.

Die Uhren gehen langsamer in Asien, das ist nicht neu. Problematischer ist die Gewöhnung an die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Nicht nur Zeit, sondern auch Willensstärke ist nötig, um die Gelassenheit und Geduld zu entwickeln, die für Verhandlungen in Vietnam nötig sind. Es ist nicht sehr aussichtsreich, die Partner zu einem höheren als dem von ihnen selbst als möglich erachteten Tempo zu veranlassen. In der Regel helfen weder Druck noch Bitten.

Jemandem Scham zu ersparen, sei das Menschlichste, formulierte Friedrich Nietzsche. Das ist gemeint, wenn es darum geht, seinem Gegenüber nicht die Würde zu nehmen, sondern seine Position zu verbessern, indem man ihm Gesicht gibt. Nichts ist schlimmer, als seine Partner in die Enge zu treiben, sie zu blamieren (z.B. durch Offenlegen ihrer Unkenntnis zu bestimmten Fragen) oder sie zu demütigen (durch abschätzige Bemerkungen über Zustände in Vietnam). Dadurch verlieren die Partner zwar ihr Gesicht, aber den schlimmeren Schaden hat der Verursacher, denn künftige Zusammenarbeit wird erschwert oder unmöglich.

Für Vietnamesen ist es schwierig, etwas ablehnen zu müssen bzw. überhaupt nur das Wort NEIN zu verwenden, insbesondere gegenüber Höhergestellten. Es ist gefährlich für den angestrebten Konsens und birgt die Gefahr des Gesichtsverlustes. Nichteinverständnis wird dem Gegenüber auf verschiedene Weise, oft indirekt, aber immer schonend, beigebracht.

In Vietnam gelten zahlreiche Verhaltens- und Umgangsregeln, die sich von den unseren unterscheiden. Vietnamesen erwarten nicht, dass wir ihre Lebensweise bis ins Detail kennen oder gar nachahmen. Regelverletzungen wird man Ausländern weitgehend nachsehen, wenn erkennbar ist, dass sie nicht vorsätzlich begangen wurden.

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